Das komplexe Geflecht des Lebens: Regenwaldökosystem
- 55 Millionen Jahre ist das geschätzte Alter des Ökosystems
- 20 Prozent Anteil des weltweit produzierten Sauerstoffs
- 17 Prozent des weltweiten Regenwaldes ist verloren gegangen
- 80 Tausend verschiedene Pflanzen wurden gefunden
Zahlen - Daten - Fakten
Tropische Regenwälder bedecken rund 9–10 Millionen km² (etwa 6–7% der Landfläche), beherbergen aber mindestens die Hälfte, teils bis zu zwei Drittel der weltweiten Landarten. Auf einem Hektar Regenwald können über 200 Baumarten vorkommen – ein Maß für die extreme Biodiversität und die zentralen Ökosystemleistungen für Klima, Wasser und Menschen.
Ganzjährig 20–30 °C und meist 2.000–3.000 mm Niederschlag prägen diese Ökosysteme. Die Vegetation „recycelt“ 25–50% des Regens durch Evapotranspiration; der Amazonas führt im Mittel über 200.000 m³ Wasser pro Sekunde dem Atlantik zu und trägt etwa 15–20% zum weltweiten Flussabfluss bei. Diese „fliegenden Flüsse“ stabilisieren Niederschlagsmuster weit über die Tropen hinaus.
Baumkronen erreichen 30–50 m, Überständer über 60 m; die Laubflächenzahl liegt oft bei 5–7, die Nettoprimärproduktion bei etwa 2.000–3.000 g Kohlenstoff pro m² und Jahr. Böden sind meist nährstoffarm, Nährstoffe zirkulieren rasch in der Biomasse. Viele Bäume bilden Flach- und Brettwurzeln und leben in enger Symbiose mit Mykorrhizapilzen.
Pro Hektar speichern Regenwälder häufig 150–400 Tonnen oberirdische Trockenmasse, etwa zur Hälfte Kohlenstoff; tropische Torfwälder halten zusätzlich enorme Mengen im Boden. Sie regulieren Klima- und Wasserkreisläufe, liefern Holz, Fasern, Nahrung und Heilpflanzen. Im Amazonasgebiet leben rund 30 Millionen Menschen, viele davon indigene Gemeinschaften, deren Lebensgrundlagen eng an intakte Wälder gebunden sind.
Haupttreiber der Entwaldung ist die Ausweitung der Landwirtschaft; 2015–2020 lag der globale Netto-Waldverlust bei etwa 10 Mio. ha pro Jahr, mit großem Tropenanteil. Forschende warnen vor Kipppunkten ab etwa 20% regionaler Entwaldung (regional bereits grob 15–20%). Wirksam sind Schutzgebiete, indigene Territorien und nachhaltige Forstwirtschaft; Wiederbewaldung bindet in den ersten Jahrzehnten ca. 2–5 t Kohlenstoff pro Hektar und Jahr, unterstützt durch Satellitenüberwachung, entwaldungsfreie Lieferketten und Zahlungen für Ökosystemleistungen.